Ein schönes, neues Kunstmuseum, das noch nicht so richtig funktioniert

Kunstmuseum

Im Erweiterungsbau gibt es modern anmutende, aber auch sehr traditionelle Elemente. Die Brüstung der Treppe ist fast eine Kopie aus dem Altbau.

Endlich habe ich die Erweiterung des Basler Kunstmuseums von Christ & Gantenbein nun auch noch gesehen. Man muss ja als Zürcher wissen, was die Erbauer des neuen Landesmuseums andernorts Tolles schaffen. Die Journalisten waren ob des Baus ins Schwärmen geraten, am heftigsten der Kollege vom “Standard”, der fand, die marmorne Stiegenbrüstung zaubere “mit einer gewissen Speckigkeit so etwas wie Softporno-Erotik in die Architekturwelt”. Das habe ich genauso nicht gesehen, obwohl mir das marmorne Geländer schon auch sehr gut gefallen hat. Es ist übrigens fast eine Kopie der Marmorbrüstung im Altbau – was natürlich bestens ins Konzept passt. Christ & Gantenbein haben ja auch beim Landesmuseum mit Alt und Neu gespielt – und den altehrwürdigen Gull-Bau in einer bestens nachvollziehbaren Art erweitert.

Der Kontrast zwischen dem Modernen, zum Teil Groben, und den feinen Details, die immer wieder Bezug nehmen auf traditionelle Museumsbauten, ist schon sehr ansprechend. Fast schon altmodisch erscheinen einem die Parkettböden und die omnipräsenten Marmorelemente. Dem stehen der eigenwillige Grundriss, die hohen Innenhöfe, die blechernen Türen und Wände in den Nebenräumen gegenüber, die ein bisschen Industrie-Ästhetik ins edle Bauwerk bringen.

Die unterirdische Verbindung zwischen Alt- und Neubau ist genial gelöst: Unter der Strasse liegt ein riesiger Ausstellungsraum, der vom einen in den andern Teil führt. Man geht die (neue) Treppe hoch und steht dann plötzlich im Altbau. Man kann nur hoffen, dass der Durchgang bei der Erweiterung des Zürcher Kunsthauses annähernd so gut gelöst wird. Ich habe ein paar Zweifel.

Eher enttäuschend ist, wie die Museumsverantwortlichen mit dem als offenes Haus konzipierten Erweiterungsbau umgehen. Als ahnungslosen Besucher zog es mich natürlich zuerst in den Neubau, von wo ich sofort wieder zurück zum alten geschickt wurde, weil nur da Tickets verkauft werden. Zu allem Übel gab es dann noch Tickets, die je nach Stockwerk unterschiedlich teuer waren. Wer im Erweiterungsbau Parterre oder zweiten Stock besuchen wollte, zahlte mehr, die erste Etage war billiger. Das hatte nun natürlich zur Folge, dass man auf jedem Stockwerk wieder sein Billett zeigen musste. Schon ein wenig mühsam. Überhaupt habe ich mich selten so verfolgt gefühlt wie in diesem so offenen Haus. An diesem Konzept könnte man also noch ein wenig feilen, finde ich.

 

Und wieder ein Neuanfang auf der Schwägalp

Schwägalp klein

Das alte Restaurant, das nun abgebrochen wird, war auch die erste Talstation der Bahn, wie man dem Gebäude sehr gut ansieht. (Grösseres Bild beim Draufklicken)

Am 30. Juli 1935 wurde die Säntis-Luftseilbahn – oder wie es korrekt heisst: die Schwebebahn – in Betrieb genommen. Die erste Fahrt konnten die Verwaltungsräte geniessen, die beiden weiteren, “bei keineswegs reizlosem Nebeltreiben”, geladene Gäste aus der ganzen Schweiz, wie es in einem zeitgenössischen Bericht hiess. Carl Meyer, der Initiant der Bahn, mochte an diesem Tag nicht nur jubeln: zu gross waren die Hindernisse, die man ihm in den Weg gelegt hatte, zu gross war auch der Widerstand der Behörden gegen sein Projekt gewesen. “Einen Berg von Schwierigkeiten” habe er bewältigen müssen, bis der andere Berg, der Säntis, endlich bezwungen war, sagte er bei seiner Eröffnungsrede.

Erst gut achtzig Jahre alt ist also die Geschichte der Säntis-Schwebebahn, und doch hat sie immer wieder tiefgreifende Veränderungen erlebt. 1960 etwa wurde die Stütze 1 auf der Schwägalp, die gewissermassen zum Markenzeichen der Bahn geworden war, ersatzlos niedergerissen. Aus der Stütze 3, bei der man aus- und einsteigen kann, wurde dadurch die Stütze 2. im Lauf der ersten grossen Ausbauphase in den siebziger Jahren wurde die Talstation verlegt; sie war nun nicht mehr mit dem Restaurant auf der Schwägalp verbunden, sondern bekam den neuen Standort, von dem aus sie noch immer startet.

Bau klein

Bau der Talstation für den Start der Bahn im Sommer 1935.

Die alte Talstation war aber am Bau des Bergrestaurants noch immer ablesbar; die Spitze des Gebäudes in Richtung Säntis zeigte an, wo die Gondeln in den ersten 25 Jahren starteten. Mit dem Neubau des Hotels/Restaurants ist nun aber auch das Ende des Altbaus mit Restaurant und ehemaliger Bahnstation gekommen. Seit Mitte März wird abgebrochen – oder schöner und korrekter gesagt: Stück für Stück zurückgebaut. Kein Bauteil geht verloren, alles wird schon gleich nach der Entfernung aus dem altehrwürdigen Gebäude auf je separate Haufen gelegt: Holz, Stein, Metall, Keramik usw.

Der “Abbruch” ist ein Spektakel für die zahlreichen Wanderer und Töfffahrer, die es mit den steigenden Temperaturen ins Freie und auf die Höhe zieht. Der Neubau bietet aber einen durchaus befriedigenden Ersatz. Er steht etwas am Rand der Schwägalp, weshalb er die Landschaft deutlich weniger beeinträchtigt als die alte Anlage. Die moderne Architektur dürfte für den einen oder andern noch etwas gewöhnungsbedürftig sein (vor allem die Metallornamente an der Fassade). Ich bin aber sicher, dass der Neubau von den zahlreichen Besucherinnen und Besucher bald ebenso ins Herz geschlossen wird wie das beim Altbau der Fall ist. Spätestens wenn letzterer vollständig abgetragen ist, wird man das Konzept und den zusätzlichen Freiraum auf der Schwägalp zu schätzen wissen.

Von Bergsteigern und armen Schweinen

Brief Avienus

Gessner widmet seine Schrift über die Milch seinem Freund Jakob Vogel, lateinisch “Avienus” – und schwärmt von der Schönheit der Berge.

In Zürich wird momentan der Arzt, Sprach- und Naturwissenschafter Conrad Gessner gleich in mehreren Ausstellung gewürdigt. Gessner lebte von 1516 bis 1565, der Anlass für die Feierlichkeiten ist also sein 500. Geburtstag. Vieles ist schon geschrieben worden über die Hauptwerke Gessners, mit denen er in ganz Europa bekannt wurde. Am berühmtesten ist wohl seine “Historia animalium”, die ihn zu einem Pionier der modernen Zoologie machte – und die sich der schönen Bilder wegen auch sehr gut für Ausstellungszwecke eignet. Der Universalgelehrte verfasste auch eine “Bibliotheca universalis”, die erste gedruckte Bibliographie, in der das Wissen der damaligen Zeit schön handlich aufgelistet war.

Gessner

Conrad Gessner, 1516-1565

Ein Aspekt, der ob der gewichtigen anderen Themen ein wenig untergeht, ist Gessners Liebe zu den Bergen. Er war nämlich trotz seiner umfangreichen Studien alles andere als ein Stubenhocker. Immer wieder zog es ihn in die Berge, deren Schönheit er in den höchsten Tönen pries. 1555 etwa bestieg er den Pilatus, wozu es damals noch eine Bewilligung des Schultheissen von Luzern brauchte. Gessner erhielt die Erlaubnis, wurde aber begleitet von einem Stadtboten, der wohl als Aufseher darüber zu wachen hatte, dass er dem verwunschenen Pilatussee nicht zu nahe kam. Als Bergführer wurde zusätzlich der Senn der Alp Trockenmatt verpflichtet. Die Expedition führte via Eigental zum Mittaggüpfi – und schliesslich doch noch zum Pilatussee bei der Oberalp. In seiner kurz nach dem Besuch erschienenen Schrift “Descriptio montis fracti sive montis Pilati” lässt er die Leserschaft dann wissen, wie wenig er von der Sage des Pilatus hält, der in diesem sumpfigen Seelein herumgeistern soll. Ausführlich beschreibt er schliesslich, wie sehr ihm das Bergsteigen Freude bereite: “Es gibt in der Tat keinen unserer Sinne, der im Gebirge nicht ganz besonders auf seine Rechnung kommt.”

Noch eindringlicher hatte Gessner schon 1541 von den Schönheiten der Berge und vom Bergsteigen geschwärmt – in einer Schrift, in der es um die Milch und deren Zubereitungsarten ging. Das Werk widmete er seinem Freund Jakob Vogel (lateinisch: Avienus), der ihn zu einem Aufenthalt in Glarus eingeladen hatte. Er habe sich vorgenommen, so Gessner an Vogel, “jährlich mehrere oder wenigstens einen Berg zu besteigen, wenn die Pflanzen in Blüte sind, teils um diese kennenzulernen, teils um den Körper auf eine ehrenwerte Weise zu üben und den Geist zu ergötzen. Denn welche Lust ist es, und, nicht wahr, welches Vergnügen für den ergriffenen Geist, die gewaltige Masse der Gebirge wie ein Schauspiel zu bewundern und das Haupt gleichsam in die Wolken zu erheben.”  Dann folgt ein gewaltiger Seitenhieb gegen jene Kollegen, die dies eben nicht so sehen, sondern sich wie Siebenschläfer im Winter in ihre Winkel verkriechen: “Die stumpfen Geistes sind, wundern sich über nichts, sie brüten in ihren Stuben und sehen nicht das grosse Schauspiel des Weltalls.” Ja, so weit gehe ihr Stumpfsinn, dass sie “gleich den Säuen immer in den Boden hineinsehen und niemals mit erhobenem Antlitz gen Himmel sehen … Mögen sie sich wälzen im Schlamm, mögen sie kriechen.”  Wer hingegen nach Weisheit strebe, werde fortfahren, die Erscheinungen dieses irdischen Paradieses “mit den Augen des Leibes und der Seele” zu betrachten. Zusammenfassend schreibt Gessner: „Ich behaupte daher, dass ein Feind der Natur sei, wer die erhabenen Berge nicht einer eingehenden Betrachtung würdig erachtet.“ 25-jährig war Gessner, als er dies schrieb. Der Text gilt heute als einer der ersten, in denen die Berge nicht als Bedrohung, sondern als alpinistische Verlockung beschrieben wurden. Er darf denn auch in keiner Anthologie zur Geschichte des Bergsteigens in der Schweiz fehlen.

Herzlichen Dank ans Gartenbauamt

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Vierwaldstättersee in Öl, 1941. Mit, v.l.: Gitschen, Urirotstock, Oberbauenstock, Niederbauen. Grösseres Bild durch Draufklicken.

Was das denn für ein hübsches Panorama oben an der Seite sei, werde ich ab und zu gefragt. Tatsächlich sind Bild und Maler heute nicht mehr so bekannt. Das war vor fünfzig Jahren noch ganz anders: Willy F. Burger (1882-1964) aus Rüschlikon war ein bekannter und geschätzter Kunstmaler und Grafiker, der neben seinem eigenen künstlerischen Werk unzählige Plakate, Post- und Reklamekarten, Kataloge, Buchillustrationen und vieles mehr gefertigt hatte. Willy F. Burger wurde 1882 in Zürich geboren, besuchte dort die Schulen und machte eine Lehre als Lithograf. Sein Vater, der ebenfalls als vielbeschäftigter Grafiker arbeitete, war sein grosses Vorbild. Nach einem Studium an der Kunstgewerbeschule (so hiess das früher!) bildete er sich in Karlsruhe und mit längeren Aufenthalten in England und in den USA weiter. Ferdinand Hodler beeindruckte den damals 25-jährigen Willy Burger schwer – vor allem, als er ihn einmal zu einem Malausflug an den Silvaplanersee einlud. Hodler und Burger skizzierten während rund zwei Stunden jeder für sich die Landschaft. Dann lehnte sich Hodler zum Bild seines jüngeren Kollegen hinüber und meinte nur: “Eine tüchtige Arbeit!”. Jetzt könnte er eigentlich gleich sein eigenes Kürzel F.H. darunter setzen. Später einmal porträtierte Burger den grossen Meister – und dieser korrigierte mit dicker Kohle da und dort ein paar Stellen. Hodler hatte zwar einiges übrig für Burger, doch wirklich beeinflusst hat er ihn nicht. Burger blieb bei seiner traditionellen Malweise und lehnte neuere Ansätze vehement ab. Kirchner verabscheute er richtiggehend, und Abstraktion war ihm fremd.

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Willy F. Burger in seinem Atelier.

Burger war ein begeisterter Alpinist, weshalb er immer wieder Berglandschaften malte. Auch seine Plakate warben zur Hauptsache für Berge und Bergbahnen (ein sehr frühes Exemplar etwa für die Pilatusbahn). Von den Panorama-Ansichten hat er etliche gemalt, oft im Auftrag des Zürcher Gartenbauamts (heute Grün Stadt Zürich). Sehr hübsch etwa das “Gebirgs-Panorama vom Alpenquai Zürich” mit dem See im Vordergrund (das Alpenquai wurde 1960 in General-Guisan-Quai umgetauft). Das von mir verwendete Panorama zeigt die leicht andere Sicht von der Waid, “nach Original-Aquarell von W.F. Burger, Rüschlikon”, wie es auf dem gedruckten Werk heisst. Erschienen ist das Panorama 1953, gekostet hat es “Fr. 4.-“.

Mehr über Willy F. Burger ist zu erfahren aus einem Katalog, der 2011 anlässlich einer Ausstellung der Gemeinde Rüschlikon im Brahmshaus erschienen ist: “Willy F. Burger, ein künstlerischer Kosmopolit in Rüschlikon”, Text: Roland Stark. Zum 80. Geburtstag ist ausserdem ein kleines Büchlein mit vielen s/w-Reproduktionen von Burgers Werken erschienen. Ich habe mir die beiden Büchlein in der Zentralbibliothek besorgt, ob sie noch irgendwo zu kaufen sind, weiss ich nicht.

700 Lehrlinge bauen einen Turm

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Der Tour de Moron in lieblicher Landschaft.

Der Moron ist ein unspektakulärer Hügelzug zwischen Moutier und Tavannes, der bergsteigerisch nicht allzu viel bietet, ganz oben aber trotzdem eine SAC-Hütte hat. Von den meisten Seiten her ist man auf breiten Waldwegen unterwegs, auf denen vereinzelt auch Autos verkehren. Immer wieder wünschte ich mir, ich hätte das Bike dabei – vor allem natürlich beim Abstieg nach Moutier, der sich doch ziemlich hinzieht. Der eigentliche und einzige Grund für die Besteigung des Hügels war der Tour de Moron, ein 30 Meter hoher Aussichtsturm aus Kalkstein, den Mario Botta entworfen hat und den schliesslich gegen 700 Lehrlinge aus der halben Schweiz in mehrjähriger Arbeit erstellten. Ein älterer Spaziergänger aus der Region hatte mir den Ausflug kürzlich empfohlen, und ich unternahm ihn bei erstbester Gelegenheit.

Ersonnen wurde der Turm von Théo Geiser, dem Leiter der Maurerhalle in Moutier. Mario Botta stieg bald schon auf seine Idee ein, Maurer- und Strassenbaulehrlinge mit den alten Steinmetztechniken vertraut zu machen, indem man sie einen Turm aus Stein bauen liess. 2004 war dieser fertig und konnte eingeweiht werden.

Er sieht schon so aus, wie man sich einen Botta-Turm vorstellt. Gleich auf den ersten Blick sieht man ein Tor, das aus schmalen Steinträgern gefertigt worden ist – unverkennbar Botta! Es folgt ein angenehm unanstrengender Anstieg auf breiten Steinstufen, die rund um den Turm angeordnet sind. Zuletzt kommen ein paar Metallstufen im Innern des Turms hinzu. Schön die Rundumaussicht, die mit modernen Alpenzeigern gut dokumentiert ist. Etwas allzu aufwendig erscheinen hingegen die Dokumentationstafeln über den Bau des Turms selber: Da ist wirklich jedes Detail und jeder noch so unbekannte Beteiligte aufgeführt. Offenbar ist man sehr stolz auf das Geleistete. Ein bisschen kann ich den Stolz verstehen, denn schliesslich hat man hier mit einer sinnvollen Aktion eine Sehenswürdigkeit geschaffen, mit der die Landschaft nicht über Gebühr strapaziert und die doch von vielen Leuten gern besucht wird.

Das Ende der Weltausstellung

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Blick vom Pavillon von New Holland auf Daniel Libeskinds Auftritt für die chinesische Immobilienfirma Vanke.

Wir haben die letzten Tage der Expo 2015 in Mailand erlebt. Und es war die Hölle. Jetzt erst zeigte sich die Fehlplanung so mancher Landespavillons im ganzen Ausmass. Und es wurde deutlicher als je zuvor, dass die Weltausstellungen in ihrer jetzigen Form auf einem grundsätzlichen Missverständnis basieren. In Zeiten des Massentourismus’ funktioniert auch eine solche Expo nach dessen Gesetzen. Das offizielle Motto der Ausstellung in Mailand heisst: «Den Planeten ernähren, Energie für das Leben». Sehr viel heftiger war man aber mit einem ganz anderen Thema konfrontiert, jenem der Überbevölkerung nämlich. Die Ausstellung wurde in den letzten Tagen regelrecht gestürmt. 250’000 Besucherinnen und Besucher pro Tag legten die Expo einfach lahm und produzierten vor einzelnen Pavillons Menschenschlangen, in denen man bis zu drei Stunden wartete. Der Schweizer Pavillon war einer der schlimmeren: 2,5 Stunden Wartezeit wurde am letzten Freitag angekündigt, 3 waren es dann am Samstag. Da hat man ganz lange Zeit, sich über die Arroganz der Ausstellungsmacher zu ärgern, die ja eigentlich um solche Besucherströme wissen – und dennoch nichts zur Vermeidung der unendlich langen Warteschlangen tun. Im Gegenteil: Sie werden den Ansturm zum Ende der Weltausstellung wohl als grossen Erfolg feiern.

Was man vom Schweizer Pavillon ohne Wartezeit besuchen kann, weil es niemanden interessiert, ist die Städtepräsentation von Genf: Ein Penner aus Gips liegt in einer Ecke, an den Wänden hat es ein paar Schlirggen aus weisser Farbe. Offensichtlich handelt es sich um Kunst, und offensichtlich ist die Aussage sehr banal. Auch die Gotthard-Ausstellung ist in einigermassen nützlicher Frist zugänglich. Hier ist ein tolles Gotthardrelief zu sehen, das aus einem Granitblock geschnitten wurde. Doch aus den oberhalb des Reliefs aufgehängten Wasserleitungen plätschert es pausenlos auf den Stein hinunter. Damit will man uns nicht mitteilen, dass in der Schweiz immer schlechtes Wetter herrscht, sondern dass vom Gotthard aus in alle Richtungen Flüsse fliessen. Wenn man einen Hebel zieht, fliessen sie nur noch Richtung Norden, bei einem andern wechseln sie nach Süden. Während des Vortrags eines Angestellten zieht ein kleiner Junge am Hebel, wofür er sofort vor allen andern zusammengestaucht wird, weil das jetzt den Vortrag störe.

Die drei Stunden Wartezeit für das Innere der Türme haben wir uns dann geschenkt. Die Aussage, die uns dort während 15 Minuten nähergebracht worden wäre, lautet ungefähr so: Wenn sich alle bei allen Lebensmitteln in den Türmen bedienen, reicht es am Ende nicht für alle. Andere Länder haben ihre Pavillons so konzipiert, dass sie massentauglich sind – die USA vor allem: Hier geht es durch einen ca. 15 Meter breiten Gang hinein in eine Art Flugzeugträger, dann die Treppe hinauf, wo Obama ab einem Bildschirm winkt und ein paar Firmen Informationen anbieten – und dann gleich wieder in derselben Breite hinunter und hinaus. Die Aussage ist gleich der Wartezeit: null. Lobenswert sind die Franzosen, die schon entlang der Schlange unterhalten und informieren. Zudem muss man auch hier nicht allzu lang warten. Nach fünf Minuten ist man im wundervollen Holzpavillon, wo sich die Leute recht gut verteilen und dennoch einiges über die Landwirtschaft des Landes mitbekommen.

Wenn sich das Konzept der Weltausstellungen nicht schon wegen den unkontrollierbaren Massen überholt hätte, dann sicher wegen der Grundidee, dass sich alle Länder, Organisationen und Firmen selbst darstellen können. Das funktioniert sehr gut bei einer Leistungsschau, an der sich alle ins beste Licht rücken müssen. Das ist aber peinlich, wenn man der Sache ein humanitäres Mäntelchen überstülpt, unter das sich alle fliehen. Über 140 Nationen werben für sich und bieten oft nicht mehr als Tourismusbildchen. Der locker-freundliche Ton wirkt besonders befremdlich bei Ländern wie Eritrea oder Simbabwe. Auch grosse Firmen präsentieren sich vor allem als Wohltäterinnen. New Holland etwa will mit ihren gewaltigen Erntemaschinen nicht in erster Linie Geld verdienen, sondern, wie alle andern auch, die Welt retten.

Die Partisanenschlacht vor dem Kurhotel

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Die Überreste des Kurhotels – jenseits des Flusses, der gleichzeitig die Landesgrenze ist.

Ich habe Aline Valangin kennengelernt – endlich, muss man wohl sagen. Im Limmat-Verlag sind ja vor etwa 20 Jahren nicht nur ihre Romane „Die Bargada“ und „Dorf an der Grenze“ erschienen, sondern auch eine Biografie über sie und ihren Ehemann Wladimir Rosenbaum, verfasst von Peter Kamber. Die beiden hatten im Zürich der dreissiger Jahre ein Haus, das Flüchtlingen und Emigranten offenstand. Viele Künstler gingen bei ihnen ein und aus, Aline wurde zur Muse berühmter Schriftsteller wie Kurt Tucholsky und James Joyce, bevor sie selber zu schreiben begann. Wenige Jahre später kauften die beiden ein Haus in Comologno, ganz zuhinterst im Onsernonetal.
Man würde ja annnehmen, dass an diesem äussersten Zipfel der Schweiz, zu dem man nur nach unendlich langen – und manchmal auch recht heiklen – Kurvenfahren gelangt, fast nichts vom Krieg zu spüren war. Doch das Gegenteil ist wahr: In Spruga und Comologna kamen nicht nur Heerscharen von Schmugglern an, sondern auch Partisanen in grosser Zahl, die in der Schweiz Schutz suchten vor Faschisten und Nazi-Deutschen. Der Weg vom italienischen Val Vigezzo ist zwar auch nicht gerade ein Spaziergang, aber immerhin etwas einfacher als jener von der Schweiz her.
Seit dem 14. Jahrhundert gab es an der Grenze bei Spruga ein Kurbad, zu dem die Gäste aus dem italienischen Craveggia mit Sänften getragen worden sein sollen. Im 19. Jahrhundert wurde dann ein eigentliches Kurhotel erbaut, die Bagni di Craveggia, das aber die Leute nicht gerade in Massen anzog. Zu abgelegen war wohl das Bad – und zu spärlich sprudelnd die Quelle. Später wurde das Haus mehrmals durch Lawinen zerstört. Die Überreste des Bads sind aber heute noch zu bewundern; überall liegen alte Badewannen herum, und im grössten Becken kann man sogar noch thermalbaden, wenn man eine Kerze für die Beleuchtung dabei hat.
Die tragischsten Geschichten um diesen geschichtsträchtigen Ort spielten sich 1944 ab: Nach der Kapitulation der Faschisten in Italien bildeten sich nach 1943 überall freie Republiken. Im Norden entstand so die „Repubblica d’Ossola“ mit einer Grösse von 1600 Quadratkilometern und rund 75‘000 Einwohnern. Sie bestand allerdings nur gut einen Monat lang. Am 23. Oktober 1944 wurde sie bereits wieder zerschlagen. Wenige Tage zuvor flohen 500 Menschen, Partisanen und Zivilisten, Männer und Frauen, vor den Deutschen und den italienischen Faschisten über die Berge nach Spruga, um dort die Schweizer Grenze zu erreichen. Die Verfolger holten sie kurz vor der Grenze ein und eröffneten sofort das Feuer. Drei Personen wurden erschossen, ein Mann auf Schweizer Gebiet. Heute gilt die „Battaglia di Bagni di Craveggia“ als einer der schwersten Grenzzwischenfälle während des Zweiten Weltkriegs. Ein Kreuz erinnert noch heute an Federico Marescotti, der damals auf Schweizer Boden erschossen wurde.
Valangin BuchAline Valangin hat der bewegten Geschichte von Spruga und Comologno in ihrem Doppelroman „Die Bargada / Dorf an der Grenze“ auch ein Denkmal gesetzt. Im äusserst lesenswerten Buch schildert sie das Leben in diesem abgelegenen Winkel der Schweiz, besonders auf einem sehr speziellen Hof, wo die Frauen über die Jahrhunderte immer wieder das Sagen haben – weil die Männer auswärts einen Verdienst suchen müssen oder schlicht zu schwach sind, der zupackenden Art der Frauen etwas Ebenbürtiges entgegenzusetzen. Im zweiten Buch geht es dann um den Schmuggel, der das Dorf und dessen Leute stark verändert. Aber auch um die Partisanen, die allmählich die Schmuggler ablösen und das Dorf als Zufluchtsort sehen. Dieses zweite Buch konnte lange nicht veröffentlicht werden – vielleicht auch deshalb, weil Aline Valangin die offizielle Schweizer Flüchtlingspolitik sehr ungeschminkt schildert. Sie beschreibt, wie man die fliehenden Nazi-Soldaten reinlässt, die Partisanen aber vor der Grenze den Angriffen preisgibt. Recht willkürlich wirken die Entscheide „von Bern“, welche Flüchtlinge man aufnehmen will und welche man auf dem beschwerlichen Weg wieder nach Italien zurückschickt. Ein äusserst lesenswertes, spannendes Stück Schweizer Literatur und Geschichtsschreibung. Weitere Informationen finden sich zum Beispiel auf der Website von Ticinarte oder im Wanderbuch „Bäderfahrten“ von Ursula Bauer und Jürg Frischknecht.

Architektur ist, wenn man trotzdem lacht

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Der Eingang zur Tiefgarage. Hinten das Wohnhaus, rechts ein älteres Bürogebäude (Klicken für grösseres Bild).

Die meisten Architektinnen und Architekten, die ich kenne, sind witzige und humorvolle Menschen. Ihre Bauten aber sind immer ernst und bedeutungsvoll. Vermutlich erlauben sie sich nichts Humorvolles, weil sie befürchten, der Gag nütze sich bald einmal ab – was ja eine durchaus berechtigte Angst ist. Ihre Werke sind zwar nicht gerade für die Ewigkeit konzipiert, aber ein paar Jahrzehnte bleiben sie in der Regel schon stehen. Billige Witzchen sind da natürlich fehl am Platz. Wer will sich schon jahrelang denselben schlechten Witz erzählen lassen? Und doch wünscht man sich, dass auch Architekten in ihren Werken etwas Humor aufblitzen lassen, Ironie vielleicht sogar, spielerische Andeutungen. Beim Rundgang durch das neue Wohnhaus von Herzog & de Meuron in Uster bin ich immer wieder auf solche Elemente gestossen, die sehr lustig sind – aber natürlich, wie immer bei solchen Sachen, auch nicht jedermanns Geschmack. Im konkreten Fall hat sicher geholfen, dass Cristina Bechtler als Bauherrin den Architekten die volle gestalterische Freiheit zugestanden hat. Für einmal müsse sich ein Haus nicht dem Spiesser, sondern der Spiesser dem Haus anpassen, hiess es darauf bei den Architekten – die ja alle von derartigen Freiheiten träumen.

Ein wichtiges Thema im neuen Haus von Herzog & de Meuron ist die Einfachheit: Klare Formen, einfache Zimmer, Kippfenster ab der Stange, Standardausrüstung im Bad, billigste Betonschalungen. Erst beim zweiten Blick fallen die sorgfältig gestalteten Details und “Erfindungen” auf, die dann natürlich weit über das Standardmässige hinausgehen. Die Einfahrt zur Tiefgarage nimmt diese Ambivalenz auf und bricht sie ironisch: Man fährt nämlich durch ein Gartenhäuschen hindurch, das so aussieht, als habe man die einzelnen Elemente im Jumbo gekauft. Ein künstlich geschaffenes Hinterhof-Gehütt, aber natürlich ein sehr artifizielles. Ein augenzwinkernder Gag der Stararchitekten, der dem doch eher schweren Haus gleich etwas Leichtes, Verspieltes gibt. Und nützlich ist das Häuschen obendrein: Wer im Gemeinschaftsgarten gleich daneben gearbeitet hat, kann seine Werkzeuge in den Gitterboxen entlang der Garageneinfahrt verstauen.

Vom Cube und anderen Klötzen

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Vielleicht sieht er ja bei schönem Wetter schöner aus …

Die Hafenkran-Geschichte ist uns allen noch bestens präsent. Dass aber vor bald 30 Jahren noch deutlich heftiger um den “Cube” gestritten wurde, wissen nur noch wenige. Dieser Würfel aus Zementsteinen mit einer Seitenlänge von fünf Metern war ein Geschenk und hätte eigentlich irgendwo in Zürich aufgestellt werden sollen. Doch bei jedem vorgeschlagenen Standort gab es einen kleinen Aufstand von Anwohnern und hilfswilligen Politikern. Im Jahr 2000 habe ich dazu unter dem Titel “Der Klotz im Kopf” eine kleine Kolumne geschrieben – die nun in einem entscheidenden Punkt überholt ist. Doch davon später mehr. Zuerst der alte Text:

“Kunst ist, wenn man trotzdem lacht. Sagen die einen. Die meisten aber ärgern sich, wenn sie nicht auf Anhieb merken, “was uns der Künstler sagen will”. Immer dasselbe. Ob der Künstler nun einen Metallwürfel auf den Paradeplatz stellt oder Denkmäler verschiebt. Am meisten Proteste hat in den letzten Jahren aber ein Kunstwerk ausgelöst, das gar nie wirklich in Zürich stand: Sol LeWitts “Cube”, geplant als Würfel aus weissen Backsteinen mit fünf Meter Seitenlänge. Minimal Art eigentlich, aber so gross wie ein Einfamilienhaus.

“Grümpel”, “Verarschung”, “Ziegelstein-Frusthaufen”, schallte es durch sämtliche Leserbriefseiten, als die Stadt 1986 das Geschenk der Walter-A.-Bechtler-Stiftung am Zürichhorn aufstellen wollte. Selbst Kunstkritiker lagen sich in den Haaren, volkstümliche Parlamentarier reichten Vorstösse ein, der Gemeinderat musste debattieren, der Stadtrat schliesslich klein beigeben und nach einem neuen Standort suchen. Er suchte, fand und verwarf jeweils kurz darauf wieder. Es kam zu einer jahrelangen Odyssee des imaginären Kunstwerks, bis es schliesslich allen Beteiligten zu bunt wurde und man 1993 gänzlich verzichtete. Heute steht statt des “Cube” der Chinagarten im Park am Zürichhorn.

Ein Kunstwerk ist nur Kunst, wenn es Diskussionen auslöst. Alles andere ist langweilige Dekoration. Was auch heisst, dass die lauthalsen Proteste mithelfen, aus dem profanen Gegenstand ein Kunstwerk zu machen. Der “Cube”, den es eigentlich gar nicht gibt, ist demnach ein Kunstwerk, an dem sehr viele Zürcherinnen und Zürcher auf ihre Art mitgestrickt haben. Ihn noch aufstellen zu wollen, ist unnötig. Mit all dem, was er ausgelöst hat, ist er längst zu einem Teil Zürichs und seiner Geschichte geworden. Der “Cube” steht zwar nicht wie geplant auf der grünen Wiese, dafür haben wir ihn alle in unseren Köpfen.”

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Ein achtstöckiger Würfel von Herzog & deMeuron

Und nun ist also alles anders. Der “Cube” steht seit einiger Zeit im Zellweger-Park in Uster und kann besichtigt werden. Der erste Gedanke, als ich ihn sehe: “Das ist er nun also!” – und der zweite: “Vermutlich sieht er schöner aus, wenn es nicht regnet”. Das war’s dann aber auch schon. Der “Cube” ist Geschichte, erzählt aber immerhin so nebenbei eine Geschichte über die Stadt Zürich und ihren Umgang mit Kultur. Sehr viel interessanter erscheint mir jetzt aber die schwimmende Holzbrücke von Tadashi Kawamata gleich daneben – oder der “Steinhaufen” von Fischli und Weiss, der dank des permanent darauf spritzenden Wassers allmählich vermoosen soll.

Und ganz aktuell sorgt ein anderer, deutlich grösserer Würfel im Zellweger-Park für Gespräche. Der Zellweger-Park wird ja so allmählich zu einer Architektur-Ausstellung: Nach Wohnbauten von Gigon/Guyer oder Morger + Dettli folgen nun Herzog & deMeuron. Ihr Wohngebäude, das demnächst bezogen werden soll, ist ein achtstöckiger Würfel mit erker-artigen Bauten an allen Ecken. Darin befinden sich die grossen Balkon, die mit Aussentreppen kombiniert sind. Ein gemeinsames Treppenhaus gibt es nämlich im Haus nicht, lediglich zwei Lifte in der Mitte. Eine “völlig neue Gebäudetypologie”, meint die Bauherrschaft. Ich sage: Eine interessante Idee; mal schauen, wie das funktioniert. Wer mehr wissen will, findet hier die Broschüre von Herzog & de Meuron mit den Grundrissen des Hauses.

Letzte Chance, Adolf Dietrich kennenzulernen

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Adolf Dietrich: Pfeffervogel (Grossansicht nach Klick)

Das Kunstmuseum Olten gehört wohl nicht zu den bekanntesten und renommiertesten Häusern der Schweiz. Und letztes Jahr drohten die Stadtoberen sogar mit dessen Schliessung. Schliesslich gab es auch beim Hallenbad und Anderem Abstriche. Das Museum blieb dann doch offen – und antwortete mit einer wundervollen Ausstellung über den noch nicht überall bekannten Ostschweizer Maler Adolf Dietrich (1877-1957). Als “Schweizer Rousseau” wurde er zu Lebzeiten verkauft – oder als “Holzfäller mit dem feinen Pinsel”. Jenseits all dieser Klischees bietet die Ausstellung in Olten die Gelegenheit, Dietrich in sehr vielen seiner Facetten kennenzulernen. “Adolf Dietrich in seiner Zeit (und darüber hinaus)” wird versprochen – und weitgehend eingehalten. Sehr viele Zeitgenossen von Dietrich sind in der Schau auch zu sehen, von Niklaus Stoecklin bis Otto Dix. Es wird zwar nicht behauptet, dass diese Künstler Dietrich beeinflusst hätten, aber man will doch zeigen, in welchem Umfeld er sich bewegte. Das ist durchaus interessant und regt zu Diskussionen an, die – in meinem speziellen Fall – einen eher offenen Ausgang hatten ……

Bei meinem Besuch war in Olten gerade Chilbi. Das hiess, dass man sich zwischen den Ständen einen schmalen Durchgang zum Kunstmuseum suchen musste. Vor der Kunst kommt eben schon das Fressen! Die wenigen Besucherinnen und Besucher, die den  Bratwürsten und Achterbahnen die Stille (und an diesem Tag auch extrem die Wärme) der Ausstellungsräume vorzogen, wurden nicht enttäuscht. Die Bilder Dietrichs sind immer ganz eigene Universen, die es im Detail zu entdecken gilt. Auf den ersten Blick sieht man ein paar Schilfstengel vor blauem See. Wenn man nähertritt, entdeckt man aber unzählige Käfer, Ameisen, Fliegen, die in aussergewöhnlicher Präzision auf die Stengel gesetzt worden sind. Nicht alles lebt, was man auf Dietrichs Bildern sieht: Vor allem die von Jägern erlegten Wasservögel, zu schönsten Stilleben drapiert, findet man in der Ausstellung immer wieder. Bilder und Zeitungsberichte zeigen, dass dies alles zu Dietrichs Leben gehörte. Immer wieder ging er mit den Jägern auf die Pirsch und hielt in seinen Bildern fest, was er sah.

DietrichDie Dietrich-Ausstellung ist, wie ich dem aufgelegten Informationsblatt entnehme, ein Glücksfall. Sie ist unter anderem dem Unstand zu verdanken, dass Dorothee Messmer, die Leiterin des Museums Olten, früher Kuratorin am Kunstmuseum Thurgau war und dort den Nachlass von Adolf Dietricht aufarbeitete. Natürlich war man deshalb auch gespannt auf den Ausstellungskatalog, der bei Scheidegger-Spiess erscheint. Die Publikation lässt allerdings ein bisschen auf sich warten; sie erscheint erst im September. Die Ausstellung aber, und darauf hinzuweisen ist der wichtigste Zweck dieses Textes, ist nur noch bis 30. August zu sehen. Also, nichts wie los nach Olten!